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Große und kleine Abenteuer im Bleichtal oder:
Gewöhnt euch schon mal dran: aufs Klo außen rum!!
Vom Ponyhof zum Abenteuerspielplatz
„Eigentlich darf man hier machen was man will“:
Alle Kinder sind auf dem Ponyhof in Bleichheim willkommen. Die meisten kommen am frühen Nachmittag, nach den Hausaufgaben. Einige spielen einfach auf dem Hof, jagen und toben mit den beiden Colliemischlingen Momo und Dina herum. Oder sind es Schäferhundmischlinge ? Niemand weiß es ganz genau. Auf jeden Fall macht es maßlosen Spaß, den Wasserschlauch anzustellen, wenn Dina in der Nähe ist. Wie sie immer wieder versucht, in den Wasserstrahl zu beißen ist sogar für die Erwachsenen „echt eine Schau“. Eigentlich liegt der Wasserschlauch ja zum Abwaschen der Trensen und Stiefel da. Aber so genau wird es heute nicht genommen.
Zwei jüngere Mädchen füttern die Hasen, während sich Fee oben im Heu mit Nelly vergraben haben und leise flüsternd äußerst wichtige Dinge besprechen. Die sechsjährige Sarah kommt einfach mal so vorbei und hilft, den Pferdeputzplatz sauber zu fegen. Becky macht sich gleich daran, ihr Lieblingspferd Gazelle ausführlich zu putzen und zu striegeln. Gazelle soll heute ganz besonders schön aussehen, hat Becky beschlossen. Die Schwalbenmutter und ihre Jungen, die im Nest direkt über Gazelle wohnen, tragen zum makellosen Aussehen der 17-jährigen Westfalenstute allerdings nicht grade bei. Kein Problem für Becky. Sie freut sich sichtbar am Kontakt mit dem Tier, spricht mit der Stute, streichelt ihr den Hals. In einer halben Stunde wird Gazelle geradezu glänzen.
Hannah und Desirée haben sich, wie seit ein paar Tagen fast täglich, mal wieder an den Bach verdrückt. Es lockt sie sehr, mit den hohen Reiterstiefeln in der Bleiche herumzuwaten, von Stein zu Stein zu springen und den Bachlauf ein bisschen weiter hinauf zu erkunden. Der große Kletterbaum liegt noch am Bach, bald soll er aufgestellt werden. Dann geht’s hoch hinaus! Inzwischen bietet die Tonbank am Bach reiche Beschäftigungsmöglichkeiten. Es wird geknetet, gematscht und geformt. Demnächst werden wieder die trockenen Kleider zum Wechseln zu Ehren kommen, die die Mütter den beiden wohlweislich eingepackt haben. „Eine von uns rutscht meistens aus“ grinst Desirée etwas verlegen. Das behindert den Entdeckerdrang der beiden aber keineswegs, niemand schimpft, wenn das Wasser beim Ausziehen aus den Stiefeln läuft.
Simone ist dagegen sehr pflichtbewusst dabei, die Ställe der Ponies auszumisten. Sanft und sehr geduldig geht sie dabei mit Viola um. Die kleine Haflingerstute ist als Fohlen sehr schlecht behandelt und oft geschlagen worden. Inzwischen hat sie Vertrauen gefasst, ganz besonders zu Simone.
Zwei Neuankömmlinge gesellen sich zu Simone und kriegen klare Anleitungen, was mit der Mistgabel, der Schubkarre und dem Besen noch anzufangen ist.
Katja, Tanja und Linda satteln derweil die Pferde. Seit sie während der Osterferien hier auf dem Hof den Reiterpass erworben haben („das ist wie ein Führerschein fürs Pferd, weißt Du?“) dürfen sie allein ausreiten. Vorausgesetzt, ihre Zehnerkarte zum Reiten ist noch gültig oder sie haben sich den Ausritt durch Füttern und Ausmisten der Pferde verdient.
Neben den Ställen und der Pferdekoppel entsteht gerade ein kleiner Blumengarten, eine Kräuterschnecke und ein Hochbeet. Alex versucht sich daran, einen Blütenkranz zu binden, die Blüten hat sie am Bach gesammelt. Ann-Kathrin, von allen nur Anka genannt, gibt sich redliche Mühe, Alex nachzueifern. Das Interesse der anderen Mädchen im Garten beschränkt sich im Moment darauf, sich neben den kleinen Teich im Garten zu setzen und den Kaulquappen beim Wachsen zuzusehen. Die Libelle, die sich gerade auf dem Besenstiel an der warmen Hauswand häutet, findet keine Zuschauerrinnen, dagegen haben die Meerschweinchen, wie man am durchdringenden Quieken hört, gerade wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit, als ihnen lieb ist. Pascale und Oli inspizieren grade mal den knopfäugigen verwuschelten Nachwuchs. Zwei jüngere Mädchen haben sich schließlich in dem Raum hinter dem Reiterstüble zurückgezogen, trotz des schönen Wetters. Einträchtig sitzen sie auf dem Sofa nebeneinander und probieren das Zeichenprogramm des Computers aus, der seit ein paar Tagen hier steht. Gemalt wird - natürlich - ein Pferd. Wer hätte hier etwas anderes erwartet!
Eigentlich darf man hier nicht alles machen, was man will!
Zurzeit verändert sich einiges auf dem Ponyhof Mall in Bleichheim: Die Mädchen treffen sich immer häufiger zu Besprechungen. Miteinander legen sie Regeln fest, die demnächst für alle auf dem Hof gelten sollen. „Natürlich auch für die Erwachsenen !“ betont Eva. Eine lautet zum Beispiel: Aufs Klo außenrum !! Das Reiterstüble ein- oder zweimal täglich nass zu wischen, ist nämlich ganz schön anstrengend. Es trägt sehr zum Erhalt der Sauberkeit bei, wenn der Weg zur Toilette auf dem Parallelweg über den Hof angetreten wird und nicht mit schmutzigen Reiterstiefeln quer durchs Haus führt. Wenn „Regeln besprechen“ ansteht, herrscht großer Andrang auf dem Ponyhof. Auch die jüngeren Besucher und Besucherrinnen werden ernst genommen, können ihre Meinung sagen und ihre Wünsche äußern. Beschlossen wird gemeinsam, im Notfall durch Abstimmung. Meist werden sich die Kinder aber nach einiger Diskussion einig. Die Regeln brauchen allerdings so etwas Zeit, man darf auf das Gesamtergebnis gespannt sein. Bei der letzten Besprechung wurde Linda zur Jugendsprecherin gewählt, ihre Vertreterin ist Alex. Die zwei haben noch viel vor: z.B. ein Jugendcafé, auch für die anderen Kinder in Bleichheim. Jetzt muss aber erst mal das Problem gelöst werden, dass nie jemand abwäscht, wenn sich die Getränkebecher im Reiterstüble türmen!
Hofbesitzerin Wilma Mall und die Mitglieder des „Fördervereins Europäische Jugendfreizeit- und Bildungsstätte Bleichtal e.V.“ geben dem Ponyhof und den dort stattfindenden Aktivitäten gemeinsam einen Rahmen. Der Förderverein wurde im März 1998 von engagierten Eltern gegründet. Viele kannten den Hof schon aus eigener Anschauung durch den Aufenthalt ihrer eigenen Kinder, andere kamen mit eigenen Ideen, die sie umsetzen wollten, dazu. Handwerker, Lehrer/innen, Sozialarbeiter/innen, Steuerfachleute, Unternehmer oder Politiker: Die Mitglieder des Vereins haben sich zum Ziel gesetzt, mit den Aktivitäten auf und rund um den Ponyhof das Angebot an naturnahen, erlebnispädagogischen und kreativen Spielmöglichkeiten in der Region zu verbessern. Freude am gemeinsamen Erleben, Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein, Ausgleich zu Konsumorientierung und zu Leistungsstress im Alltag, Nähe zu Natur und Tieren: All dies soll und kann der Ponyhof bieten.
Der ganze Hof ist ein Abenteuerspielplatz, der Förderverein macht aber, mit Unterstützung geschulter pädagogischer Betreuer und Betreuerinnen auch weitere ganz gezielte Angebote
für Kinder und Jugendliche: z.B. das Projekt “Einführung in die Welt der Pferde“ mit Verpflegung und Tagesbetreuung. Zehn Mädchen im Alter von 4 - 8 Jahren werden in einer Ferienwoche im August behutsam an die Pferde herangeführt, sie lernen, neben Putzen und Pflegen, die „Sprache der Pferde“ zu verstehen und bauen so ein Vertrauensverhältnis zum Großtier auf. Spielerisch werden sie an das Reiten herangeführt, Voltigieren erfordert Mut, ein Picknick mit Pferden ist abenteuerlich. Reiterspiele und ein Grillfest runden die Woche ab.
Ende August geht’s für zehn abenteuerlustige Jungen und Mädchen im Alter von 10 - 14 Jahren auf den Abenteuerspielplatz nach Hartau, in die Zittauer Berge. Im Dreiländereck Deutschland - Polen - CSSR zelten die Kinder in Jurten, der mitten im Wald gelegene Platz bietet vielfältige interessante Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten.
Das Projekt „Wir in Europa“ bietet in den letzten drei Sommerferienwochen für Kinder von 6 - 12 Jahren grenzenlosen Spaß und Spiel auf dem nahegelegenen Reitplatz in Bleichheim. Jede Woche beschäftigt sich mit einem anderen europäischen Land mit seiner Sprache und Kultur, seinen Gebräuchen, Liedern und kulinarischen Gewohnheiten. So können auch Kinder, die dieses Jahr nicht in die Ferien fahren, Abenteuer und ferne Länder erleben. Auch Ausflüge und Schwimmbadbesuche stehen auf dem Programm. Das Ferienprojekt ist natürlich für berufstätige Eltern ganz besonders interessant, sie können in Ruhe arbeiten gehen, die Kinder sind gut versorgt. Die Kinder werden morgens mit dem Sammelbus an der B3 entlang abgeholt und abends wieder gebracht, für Verpflegung ist gesorgt.
Wenn während der Projektwochen die Pferde und Ponies auch mal auf dem Reitplatz bei den „Europa-Kindern“ zu finden sind und es auf dem Ponyhof etwas ruhiger ist, dann schlägt die große Stunde der Hasen. Nach Auskunft gut informierter Kreise wird sich bis dahin zahlreicher Hasennachwuchs einstellen. Ob dann wohl die bereits parat stehenden weiteren Hasenställe zum Einsatz kommen? Wahrscheinlicher ist, dass die Kinder erst mal die Problematik der Hasen-Inzucht besprechen.
Sigrid Leder-Zuther
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Julia Kern Tel. 0174/209 6 218
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